Stipendium – Eine Möglichkeit der Studienfinanzierung

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Ein Stipendium erhalten

Viele Studierende, die gerne im Ausland oder an einer renommierten, privaten Hochschule studieren möchten, erwägen als erstes einen Studienkredit oder hoffen, dass sie weiter BAföG-Unterstützung erhalten. Auf die Idee, dass sie auch als Stipendiat in Frage kommen könnten, kommen die meisten gar nicht.

Eine Förderung der Ausbildung über ein Stipendium klingt für viele immer noch elitär und die eigenen Chancen werden eher gering eingeschätzt. Dabei gibt es heutzutage eine Vielzahl an Stipendien, die sich nicht nur auf außerordentliche Leistungen fokussieren und nur einem exklusiven Kreis zugänglich sind. Zudem gibt es viele kleinere, eher unbekannte Stiftungen, die immer auf der Suche nach Stipendiaten sind.

Das Tolle an einem Stipendium ist: Du musst im Gegensatz zum BAföG nichts zurückzahlen, da die Förderung durch Einrichtungen erfolgt, die über einen eigenen Kapitalstock verfügen. Natürlich verfolgen sie damit auch ein Eigeninteresse. Das Ziel der parteilichen oder kirchlichen Stiftungen ist, zu einem gewissen Teil Akademiker/innen zu fördern, die die eigenen Werte und Ansichten vertreten, um so ihre Anliegen an jüngere Generationen weiterzugeben.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Du einer Stiftung in allen Fragen zu 100% zustimmen musst. Auch größere Unternehmen haben oftmals Studienfonds für Fächer eingerichtet, an denen sie selbst ein großes wirtschaftliches Interesse haben und für das sie später vielleicht auch Talente akquirieren wollen.

Stipendien können nicht nur Studierende, sondern oftmals auch Künstler/innen, Sportler/innen, Wissenschaftler/innen und sogar Schüler/innen erhalten.

Bekannteste Stipendien

In Deutschland gibt es mehr als 2.300 Stipendiengebende, weshalb hier nur einige der bekanntesten aufgezählt sind. Plattformen wie mystipendium geben weitere interessante Informationen zu den einzelnen Stiftungen.

Deutschlandstipendium: Das ist eines der bekanntesten, bundesweiten Stipendien, das zu gleichen Teilen von Bund und von privaten Förderern mitfinanziert wird. Seit 2011 können sich Studierende an ihrer Hochschule (die Partner sein muss) um das Stipendium bewerben. Dabei wählen wiederum die Hochschulen aus, wer gefördert wird. Stipendiaten erhalten monatlich 300€, die auch zusätzlich zu BAföG-Leistungen gezahlt werden. Mittlerweile gibt es fast 30.000 Stipendiaten pro Jahr. Auch Studierende mit Migrationshintergrund können profitieren und machen etwa 28% der Stipendiaten aus.

DAAD-Stipendium: Der „Deutsche Akademische Austauschdienst“ ist wohl am bekanntesten für die Stipendienvergabe für Auslandsaufenthalte. Der DAAD fördert nicht nur ein Auslandsjahr, sondern ggf. sogar ein ganzes Masterstudium im Ausland. Aber auch Praktika und Sommerschulen im Ausland werden unterstützt. Jährlich erhalten bis zu 100.000 Stipendiaten eine Förderung. Zusätzlich unterstützt der DAAD das Programm PROMOS (Programm zur Steigerung der Mobilität von Studierenden), das nach der Bologna-Reform ins Leben gerufen wurde. So sollen auch eng terminierten Bachelor-Studiengängen Auslandsaufenthalte ermöglicht werden.

SBB-Stipendium: Die „Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung“ konzentriert sich auf Stipendieninteressierte, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen und dabei besondere Leistungsfähigkeit bewiesen haben. Gefördert wird die SBB unter anderem auch vom Handwerkskammertag sowie Industrie- und Handelskammertag. Jährlich werden so etwa 6.000 Talente in ihrer beruflichen Weiterbildung gefördert, um ihre Aufstiegschancen zu verbessern.

ERASMUS-Stipendium: Wer einen Auslandsaufenthalt über ERASMUS plant, muss im Ausland keine Studiengebühren finanzieren. Die so genannte Mobilitätshilfe variiert je nach Universität und Ländergruppe, wobei Studierende mit einer Behinderung noch weitere Sondermittel für ihren Auslandsaufenthalt erhalten. Die Stipendien für Europäische Länder mit höheren Lebenshaltungskosten wie Dänemark fallen höher aus als beispielsweise für Lettland. Das Auslandsstudium muss dabei mindestens drei Monate betragen und darf 12 Monate nicht überschreiten.

Altbekannte große, parteinahe Stiftungen sind zudem die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) sowie die Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU).

ERASMUS in Mailand

Studentin in Mailand zwecks ERASMUS.

Motivationsschreiben für ein Stipendium

Wer sich nun unbedingt um ein Stipendium bewerben will, sollte sich die Auswahlkriterien gründlichst durchlesen. Von großer Bedeutung ist selbstverständlich das Motivationsschreiben. Ein Anschreiben soll die Stiftung von Dir als Stipendiaten überzeugen und ist daher mit der wichtigste Teil der Bewerbungsunterlagen. Es sollte in Briefform verfasst sein und ca. eine Seite umfassen. Mit dem Motivationsschreiben hast Du die Chance, nochmal gezielt auf bestimmte Punkte aus Deinem Lebenslauf einzugehen und zu erklären, warum gerade Du für die Förderung geeignet bist. Die Stipendiengebenden haben meist genaue Kriterien, die erfüllt werden müssen, hangele Dich also am besten an diesen Punkten entlang.

  • Inwieweit identifizierst Du Dich mit den Werten der Stiftung?
  • Was bringst Du für besondere Qualifikationen mit, die genau Dich förderungswürdig machen?
  • Welche Ziele (akademisch und beruflich) möchtest Du mit Hilfe des Stipendiums erreichen?

Vermeide auf jeden Fall Standardfloskeln und allgemeine Wiederholungen aus dem Lebenslauf. Es sollen nicht noch einmal Fakten aufgelistet, sondern auch Geschichten dahinter sichtbar gemacht werden. Erkläre, warum Du Dich gerade für dieses Stipendium interessiert und was Du Dir für Deinen weiteren Lebensweg erhoffst. Im letzten Absatz fasst Du noch einmal kurz die Hauptargumente zusammen und beendest es dann mit einer Grußformel.

FAQ zum Stipendium

Komme ich für ein Stipendium in Frage?

Ob Du Anspruch auf ein Stipendium hast, erfährst Du auf den jeweiligen Seiten der Stiftungen, die Stipendien vergeben. Generell gibt es allerdings einige Bedingungen, die Du erfüllen musst, um für ein Stipendium in Frage zu kommen: Allgemein fehlen Dir oder Deiner Familie die nötigen Mittel zur Finanzierung eines Studiums. Du musst eine staatlich anerkannte Ausbildung/ein staatlich anerkanntes Studium absolvieren.

Wie viel Geld bekomme ich durch ein Stipendium?

Das hängt ganz davon ab, welches Stipendium Du letztendlich bekommst. Die Beträge können von einigen hundert Euro bis hin zu über Tausend pro Monat variieren. Die Förderung ist zudem steuerfrei, wenn Du sie nur für Miete, Lebensmittel und Studiengebühren nutzt.

Kann ich mehrere Stipendien gleichzeitig erhalten?

Das richtet sich immer nach der Höhe und Art der Förderung. Wer schon eine begabungs- und leistungsabhängige Förderung erhält, die höher als 30€ im Monat ist, kann sich meist nicht für noch ein weiteres Stipendium bewerben.

Förderung für das Studium

Akademische Förderung hat viele Facetten.

Wie lange erhalte ich die Förderung?

Auch das ist abhängig von der Art des Stipendiums. In der Regel bekommst Du jedoch das Fördergeld mindestens zwei Semester. Die meisten Stipendien unterstützen ihre Stipendiaten die gesamte Regelstudienzeit und überprüfen zwischendurch den Fortschritt.

Kann ich mich auch im Master für ein Stipendium bewerben?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Zwar bezieht sich die Mehrheit der Stipendien auf das Bachelorstudium, doch mittlerweile gibt es auch einige Master-Stipendien. Der DAAD unterstützt Studierende beispielsweise genauso im Master und auch das Deutschlandstipendium vergibt weiterhin Leistungen.

Wie gut sind meine Chancen, ein Stipendium zu bekommen?

Die Anzahl der Bewerber, die sich um ein Stipendium bemühen, ist meist extrem hoch. Wichtig sind also einige Tipps, mit denen Du Deine Chance erhöhen kannst:

  1. Fange möglichst früh mit der Suche an.
  2. Suche in Stipendien-Datenbanken nach passenden Stipendien für Dich. Anstelle von Google sind alle nötigen Informationen in vielen Datenbanken schon passgenau aufbereitet (z.B. auf: https://www.stipendienlotse.de/).
  3. Bewirb Dich auf alle Stipendien, die auf Dein Profil passen. Auch wenn Du eine Stiftung favorisierst, solltest Du versuchen, Dich auf möglichst viele Stipendien zu bewerben, um Deine Chancen zu erhöhen, auch wirklich eine Förderung zu erhalten.
  4. Halte die Abgabetermine ein. Mit einer zu spät verschickten Bewerbung schießt Du Dich direkt ins Aus. Halte Dich an Deadlines und verhindere, dass Du bis zu einem Jahr auf den nächsten Abgabetermin warten musst.
  5. Sorgfältige und punktgenaue Bewerbungsunterlagen – Deine Bewerbungsunterlagen sollten vollständig und ordentlich sein (Motivationsschreiben, Zeugnisse, Lebenslauf, Referenzen). Versuche die Anschreiben zu personalisieren, denn die meisten Stiftungen bekommen genug Massenanschreiben. Informiere Dich also über Ansprechpartner und Besonderheiten des Stipendiums. Ein aussagekräftiges und sympathisches Bewerbungsfoto ist dazu immer von Vorteil.
  6. Prüfe Deinen Internetauftritt – Welche Informationen aus Deinen Profilen sind öffentlich einsehbar für die Leute von der Stiftung?
  7. Habe etwas Geduld. Die Stiftungen bekommen unglaublich viele Bewerbungen, sodass es schonmal 3-6 Monate dauern, bis eine Rückmeldung kommt. Siehe davon ab, dauernd nach dem Status zu fragen.
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