„Und was machst du damit?“ – Karriere in den Geisteswissenschaften

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Karrierewege in den Geisteswissenschaften

Mit dieser Frage sieht sich wohl jeder Student, der eine Geisteswissenschaft studiert, mindestens einmal konfrontiert. Seien es Eltern, Verwandte, Freunde oder auch der Hausarzt, der sich neugierige oder kritische Fragen nicht verkneifen kann.

Die Möglichkeiten für Geisteswissenschaften sind zahlreicher, als Du auf den ersten Blick denken magst. Wir haben Dir die zwölf gängigsten Berufsfelder aufgelistet, außerhalb von Forschung und einer Universitätskarriere.

Grundsätzliches zu Geisteswissenschaften

Zu den geisteswissenschaftlichen Studiengängen gehören die Sprach-, Kultur-, Literatur- und Geschichtswissenschaften. Hier gibt es oftmals kein eindeutiges Curriculum, stattdessen kannst Du Deine Schwerpunkte im Studium selbst setzen. Du lernst vor allem das Analysieren von Texten mithilfe von einschlägigen Theorien und Fragestellungen. In Seminaren geht es oft um die kritische Auseinandersetzung mit diesen Theorien.

Neben Deinem Fachwissen erwirbst Du in Deinem Studium eine große Anzahl an Schlüsselqualifikationen. Dazu gehören unter anderem:

  • Verantwortungsbewusstsein
  • Leistungsbereitschaft
  • Kundenorientierung
  • Belastbarkeit
  • Eigeninitiative
  • Erfolgsorientierung
  • Bereitschaft, sich weiterzubilden

Gerade diese Qualifikationen sind in allen Berufen gerne gesehen, reichen aber natürlich nicht aus, um in einem Beruf Fuß zu fassen. Während Deines Studiums steht Dir ein breites Feld an Spezialisierungen offen. Hier baust Du Deine Schlüsselqualifikationen weiter aus und sammelst neben Fachwissen auch berufliche Erfahrungen.

Karrierekompass

Welche Berufsfelder ergeben sich?

Mögliche Berufsfelder

Die Berufsmöglichkeiten für Geisteswissenschaftler sind ebenso vielseitig und individuell wie das Studium selbst. Vielleicht bist Du deshalb verunsichert, wie es nach Deinem Studium weitergehen könnte bzw. wie Du Dein erworbenes Fachwissen einbringen und anwenden kannst.

Doch durch die oben genannten Qualifikationen bist Du für viele Arbeitgeber sehr interessant: Kreativität, Selbstmotivation und ein großes Allgemeinwissen öffnen Dir bereits viele Türen.

Viele Studierende wissen auch nicht, dass viele Geisteswissenschaftler als selbstständige Unternehmer auftreten: Sie schreiben z.B. Bücher, fotografieren und zeichnen historische Dokumente oder machen anderen fremde Kulturen in Filmen und Ausstellungen zugänglich. Wie Du siehst, erwarten Dich zahlreiche Jobmöglichkeiten, die ganz verschiedene Qualifikationen erfordern und Ansprüche mit sich bringen. Hier sind die gängigsten Bereiche aufgelistet:

Verlagswesen

Das Verlagswesen ist sozusagen der Klassiker unter den Berufsfeldern für Geisteswissenschaftler. Hier erwarten Dich eine Reihe von verschiedenen Tätigkeiten, z.B. als Lektor zu arbeiten. Diese sind meistens freiberuflich eingesetzt. Es gibt aber auch zahlreiche Einsatzgebiete im Vertrieb oder in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Ein weiterer Bereich ist die Kundenbetreuung und auch der Online-Buchhandel spielt eine immer größere Rolle.

Journalismus (Print- oder Online-Medien)

Auch der Journalismus, ob Print oder Online, steht bei Geisteswissenschaftlern sehr hoch im Kurs. Die Arbeit im Journalismus ist unglaublich individuell und sehr abhängig von der Branche, aber auch von dem Unternehmen, in dem Du landest. Um Dich zu spezialisieren, mache Praktika oder ein Volontariat bei einer Tageszeitung, aber auch im Radio oder im Fernsehen.

Kulturwirtschaft und Eventmanagement

In der Kulturwirtschaft erwarten Dich als Geisteswissenschaftler eine ganze Reihe von Job- und Berufsmöglichkeiten. Hier ist vor allem Dein Interesse an Kulturvermittlung gefragt. Das kannst Du unter anderem im Theater tun, aber auch im Museum oder auch an Konzerthäusern. Ebenso kannst Du Dich an der Planung und Durchführung von Großveranstaltungen beteiligen, was z.B. Managerkenntnisse erfordert. Gerade solche Fähigkeiten erlernst Du weniger im Studium, sondern eher in Praktika und später im Berufsleben.

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bedeutet vor allem, einen Bezug zur Öffentlichkeit herzustellen. Hier musst Du Dich in andere Positionen hineinversetzen und diese verstehen können. Gerade Linguisten oder Philologen können hier mit ihren kommunikativen Fähigkeiten punkten. Hier wirst Du vor allem Pressemitteilungen oder Imagebroschüren erstellen.

Werbung und Marketing

Dieser Bereich findet einige Überschneidungen mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Auch hier schreibst Du Texte und erstellst Strategien. Doch Marketing umfasst noch viele weitere Aufgaben: Du wertest Statistiken aus oder erstellst Zielgruppen- und Marktanalysen. Wichtig ist hier auch ein gewisses wirtschaftswissenschaftliches Interesse.

Politik und Stiftungen

Mit ca. 16.000 Stiftungen gilt Deutschland als Stiftungsland. Als Geisteswissenschaftler hast Du hier zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten in vielen verschiedenen Branchen. Hier wirst Du wahrscheinlich im Bereich Fundraising oder wieder in der Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt. Du solltest Dich vor allem mit den Zielen und auch Werten der Stiftung identifizieren können. Neben kommunikativen Fähigkeiten können oft auch Marketingkenntnisse eine Rolle spielen.

Sprachvermittlung

Nicht nur das Lehramtsstudium qualifiziert Dich, eine Sprache zu vermitteln. Das geht unter anderem an Volkshochschulen, Sprachschulen oder Berufsfachschulen. Aber auch Universitäten oder Kindergärten, die mehrsprachig ausgerichtet sind, sind mögliche Arbeitsfelder, genauso wie die Mitarbeit in Verlagen, z.B. von Schulbüchern für den Sprachunterricht. Immer wichtiger werden auch DaF-Lehrer (DaF = Deutsch als Fremdsprache). Ebenso kannst Du auch als Dolmetscher anfangen, dann allerdings als Quereinsteiger.

Erwachsenenbildung

Dazu gehört unter anderem die Arbeit als Dozentin oder Dozent. Hier gibst Du dann die Schlüsselqualifikationen weiter, die Du selbst im Studium mitbekommen hast. Erwachsenenbildung kann aber auch heißen, dass Du Leiter einer Schule oder einer anderen Bildungseinrichtung wirst. Oder aber im Bereich der Umweltbildung oder in der Erlebnispädagogik.

Bildungs- und Studienberatung

Gerade heutzutage ist es wichtig, Bildungsprozesse an die heutigen Bedingungen anzupassen und entsprechende Lehrangebote zu entwickeln. Mögliche Arbeitsfelder für Geisteswissenschaftler sind z.B. das Arbeitsamt oder auch die Studienberatung. Hier sind dann vor allem Deine Kommunikationsfähigkeiten gefragt und Deine Fähigkeit, Menschen zu beraten.

Unternehmensberatung

Unternehmensberatung ist sozusagen die „Königsdisziplin” unter den Wirtschaftswissenschaften. Hier brauchst Du vor allem gute Analysefähigkeiten und gute Sprachkenntnisse. Immer mehr Beratungen bevorzugen Geisteswissenschaftler gegenüber klassischen Betriebswirten, da sie eine andere Perspektive auf Prozesse und Teamarbeit haben.

Personalmanagement

Ein weiteres mögliches Einsatzgebiet ist die Personalentwicklung. Du führst zum Beispiel Mitarbeitergespräche und anhand dieser werden ihnen dann Weiter- oder Fortbildungsmöglichkeiten angeboten. Ebenso sind viele Recruiter Geisteswissenschaftler. Sie suchen nach Leuten, die genau zum Unternehmen passen. Als Recruiter schreibst Du selbst Stellenanzeigen oder durchsuchst Datenbanken mit Jobsuchenden und schreibst diese dann an.

Meinungs- und Umfrageforschung

Die Meinungs- und Umfrageforschung ist in der schnelllebigen Welt ein wesentlicher Bestandteil. Hier werden Stimmungs- und Meinungsbilder abgebildet, aber auch Informationen zu gesellschaftlichen Zusammenhängen gewonnen. Die meisten Umfragen werden z.B. für Parteien und Stiftungen erstellt. Arbeitest Du in diesem Bereich, erwarten Dich einerseits die Erstellung von Fragebögen, aber auch die Datenauswertung sowie deren Präsentation.

Karrierechancen sichten

Halte Ausschau nach Praktikumsplätzen

Wie kommst Du dahin?

Die beste Möglichkeit, in einem der oben genannten Arbeitsfelder Fuß zu fassen und Dich zu orientieren, sind Praktika oder Hospitationen. Das bringt nicht nur Dir Vorteile, sondern auch dem Unternehmen.

Deine Vorteile liegen auf der Hand: Du sammelst erste berufliche Erfahrungen. Zudem kannst Du Deine Fachkenntnisse vertiefen und Deine Schlüsselkompetenzen erweitern. Des Weiteren knüpfst Du so erste Kontakte, die auch nach dem Studium noch wichtig sein können. Zudem ist das eine Art kleiner Probelauf, wie Bewerbungs- und auch Arbeitsprozesse im realen Leben aussehen könnten. Wenn Du bisher keine oder wenig Erfahrung gesammelt hast, fang erstmal klein an und bewirb Dich bei kleineren Unternehmen. Diese haben oftmals nicht ganz so hohe Grundvoraussetzungen.

Oft sind auch Auslandsaufenthalte eine gute Idee, egal ob durch ein Praktikum oder durch ein Auslandssemester.

Fazit

Wie Du siehst, erwartet Dich nach einem geisteswissenschaftlichen Studium nicht die Arbeitslosigkeit oder eine Karriere als Taxifahrer. Der Vorteil eines solchen Studiums liegt eben gerade darin, dass Du Dich individuell spezialisieren und Deine Stärken ausbauen und nutzen kannst. Wichtig ist vor allem, dass Du Dich im Laufe Deines Studiums spezialisierst, z.B. durch Nebenjobs oder Praktika. Bei einigen Unis sind die Praktika sogar Pflicht im Semesterprogramm. Probiere Dich hier ruhig aus und schnupper in verschiedene Branchen rein.

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